E_SR_SYM_INIT¶
Einleitung¶
Der Funktionsblock E_SR_SYM_INIT realisiert ein ereignisgesteuertes, bistabiles Flip-Flop mit symmetrischem Start-up-Verhalten und einer INIT-Schnittstelle. Er erweitert ein einfaches SR-Flip-Flop um die Möglichkeit, beim INIT‑Event den Ausgang Q auf einen vorgegebenen Wert (Q_INIT) zu setzen und eine Deinitialisierung durchzuführen. Die Eingangsqualifikation QI steuert, ob die Operationen (S, R, INIT) tatsächlich auf Q wirken.
Schnittstellenstruktur¶
Ereignis-Eingänge¶
| Event | Typ | Kommentar |
|---|---|---|
INIT |
EInit | Initialisierungsanforderung; wird mit QI und Q_INIT ausgewertet |
S |
Event | Setze den Ausgang Q auf TRUE (nur wirksam wenn QI = TRUE) |
R |
Event | Setze den Ausgang Q auf FALSE (nur wirksam wenn QI = TRUE) |
Ereignis-Ausgänge¶
| Event | Typ | Kommentar |
|---|---|---|
INITO |
EInit | Bestätigung der Initialisierung/Deinitialisierung |
EO |
Event | Wird ausgelöst, wenn sich Q geändert hat (durch S oder R) |
Daten-Eingänge¶
| Variable | Typ | Kommentar |
|---|---|---|
QI |
BOOL | Eingangsqualifikator; steuert, ob die Operationen (S, R, INIT) auf Q wirken |
Q_INIT |
BOOL | Wert, den Q bei einer erfolgreichen Initialisierung (INIT mit QI = TRUE) annehmen soll |
Daten-Ausgänge¶
| Variable | Typ | Kommentar |
|---|---|---|
QO |
BOOL | Ausgangsqualifikator; gibt den Wert von QI während der letzten Aktion zurück (bei Deinitialisierung FALSE) |
Q |
BOOL | Wert des Flip-Flops (bistabiler Ausgang) |
Adapter¶
Keine.
Funktionsweise¶
Der FB besitzt fünf Zustände: START, Init, DeInit, SET und RESET.
- START: Ruhezustand nach der Initialisierung.
- Init: Wird durch
INITmitQI = TRUEerreicht. Der AlgorithmusinitializesetztQO := QI. Anschließend wird abhängig vonQ_INITin den ZustandSET(wennQ_INIT = TRUE) oderRESET(wennQ_INIT = FALSE) gewechselt. Dabei wirdQauf den Wert vonQ_INITgesetzt (über die AlgorithmenSETbzw.RESET) undEOausgelöst. - DeInit: Wird durch
INITmitQI = FALSEaus den ZuständenSEToderRESETerreicht. Der AlgorithmusdeInitializesetztQO := FALSE. Anschließend geht der FB automatisch zurück in den ZustandSTART. - SET und RESET: Normale Arbeitszustände des Flip-Flops. Bei einem
S-Ereignis wird der AlgorithmusSETausgeführt:QO := QIund fallsQI = TRUEwirdQ := TRUEgesetzt;EOwird ausgelöst. Bei einemR-Ereignis analogQ := FALSE. EinINITmitQI = FALSEführt zurück nachDeInit;INITmitQI = TRUEwäre nur vom ZustandSTARTmöglich.
Die Qualifikation QI wirkt wie ein Freigabesignal: Nur wenn QI = TRUE beeinflussen S, R und die Initialisierung den Ausgang Q. Der Ausgang QO spiegelt den zuletzt gültigen Wert von QI wider (außer nach DeInit, dann ist QO = FALSE).
Technische Besonderheiten¶
- Symmetrisches Start-up: Der Wert von
Qnach einer Initialisierung wird ausschließlich durchQ_INITbestimmt – unabhängig vom vorherigen Zustand. Dies ermöglicht ein deterministisches Verhalten nach dem Start. - Qualifizierte Operationen: Alle Aktionen (S, R, INIT) werden nur ausgeführt, wenn
QI = TRUE. Damit kann der FB z. B. über eine übergeordnete Steuerung ein- und ausgeschaltet werden. - Deinitialisierung: Durch ein
INITmitQI = FALSEgelangt der FB in einen definierten Deinitialisierungszustand (DeInit), der keine weiteren Aktionen mehr zulässt, bis ein erneutesINITmitQI = TRUEerfolgt. - Keine Speicherung von QO:
QOwird bei jeder Transition neu gesetzt, es erfolgt keine eigene Speicherung.
Zustandsübersicht¶
START
│
│ INIT[QI = TRUE]
▼
Init ─────────────────────────────────┐
│ │
│ [Q_INIT = TRUE] [Q_INIT = FALSE] │
▼ ▼ │
SET RESET │
│ │ │
│ R │ S │
└───────→ RESET │ │
←───────────┘ │
│ │ │
│ INIT[QI = FALSE] │ INIT[QI=FALSE]│
└────────────────────┴───────────────┘
▼
DeInit
│
│ 1 (immer)
▼
START
Anwendungsszenarien¶
- Steuerungen, die nach dem Einschalten einen definierten Ausgangszustand benötigen (z. B. Maschinen: Ventil geschlossen oder geöffnet).
- Systeme mit sicherheitskritischer Initialisierung, bei denen der Ausgang erst nach Freigabe durch einen Qualifikator (
QI) gesetzt werden darf. - Bausteinketten, bei denen eine Deinitialisierung (z. B. bei einem Reset des Gesamtsystems) den FB in einen Grundzustand zurückversetzen soll, ohne dass die eigentlichen S/R-Signale noch wirken.
Vergleich mit ähnlichen Bausteinen¶
- E_SR (Standard SR-Flipflop): Hat kein INIT-Verhalten, startet undefiniert oder mit letztem Wert.
E_SR_SYM_INITerweitert dies um eine definierte Initialisierung und Deinitialisierung. - E_RS: Vertauscht Set/Reset-Priorität, aber ohne INIT-Mechanismus.
- E_SR_SYM: Symmetrisches SR-Flipflop ohne INIT-Schnittstelle;
E_SR_SYM_INITfügt die INIT-Startlogik hinzu.
Der Vorteil des E_SR_SYM_INIT liegt in der Kombination von qualifizierter Initialisierung mit einem expliziten Deinitialisierungspfad.
Fazit¶
Der Funktionsblock E_SR_SYM_INIT bietet ein robustes, qualifiziertes Flip-Flop mit definiertem Startzustand. Die symmetrische Startlogik und die Deinitialisierungsmöglichkeit machen ihn ideal für Anwendungen, die ein reproduzierbares Verhalten nach Systemstart oder -reset erfordern. Die Trennung von Ereignissen und Qualifikation erlaubt eine flexible Einbindung in übergeordnete Steuerungsstrukturen.